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Evangelisches Curriculum Oberstufenforum: Religion gehört zum Leben? Jüngere (und jung gebliebene) deutsche Erwachsene, die sich deutlich zu ihrer Religion bekenn, haben am 8. September mit unseren Schülerinnen und Schülern der Studienstufe diskutiert. Wie ihnen der Glaube konkret im Alltag hilt, das ist sehr offen und persönlich dargelegt und gefragt worden. In der Auseinandersetzung mit japanischen und tibetanischen Buddhisten (Silke Bender, Frau Dehrenbach), einer Jüdin (Frau Solom), einer Muslimin (Hanif Nieman), einer Anthroposophin (Frau Zieglon), einer Vertreterin für astrologische Beratung (Sibylle Koops) und mit engagierten Christen von der "Diakonischen Basisgemeinschaft Brot und Rosen" (Ute Andresen, Katja Bourji) und dem Jugendpfarramt Altona (Günther Kutzke) haben die Jugendlichen an diesem Vormittag heraushören können, über welchen Lebensweg die einzelnen sich für ihren Glauben entschieden haben. Erfahrungsaustausch statt Glaubenswettstreit, unter diesem Motto fanden Gespräche in mehreren Gruppen statt. Übereinstimmendes Fazit am Ende hieß, dass der Wunsch nach persönlicher Antwort und friedlichem Miteinander unbedingt Vorrang habe vor Ausgrenzungsversuchen. Diese Erkenntnis hat Pastor Stabenow am Ende mit seiner "theologischen Meditation über Gottes viele Namen" bekräftigt. "Vom Thema wie von der Durchführung her positiv", ließen sich viele Schülerstimmen vernehmen. Dass bei der Zuwahl eine mögliche Diskussionsgruppe beinahe unbesetzt blieb, war der Wermutstropfen an diesem Morgen, weil die Referentinnen sich extra den Vormittag freigeschaufelt hatten. Hier werden wir über andere Organisationsformen nachdenken müssen. Dass aber mit demselben Titel den nachrückenden Jahrgängen die gleiche Erfahrung geboten werden sollte, das bejahten alle Beteiligten ohne Einschränkung. (Stephan Zörnig) Das nächste Forum soll am 29. Januar 99 stattfinden und zwar für die 11. Klassen. Das Thema lautet als Arbeitstitel "Lebensplanung - Lebensgestaltung - Lebensentwürfe". Erntedank in der Grundschule Die Grundschule feierte den Erntedank in der Schulkapelle. Den Altartisch hatten die LehrerInnen mit Obst, Getreide, Efeu geschmückt, es blieb Platz für die Gaben der Kinder. Diese waren vorher im Unterricht gemalt, geknetet, gestaltet worden. Nun wurden sie auf den Gabentisch gebracht mit den Worten: "Jetzt bringen wir unsere Gaben zum Altar. Eine Gabe kann jede Sache sein: Eine Blume, ein Lied, ein selbstgemaltes Bild. Mit der Gabe danken wir Gott für die guten Dinge, die wir von ihm bekommen: Für Essen und Trinken, für grüne Bäume und blühende Blumen. Für die Sonne, die uns wärmt, und für den Regen, der alles wachsen lässt. Darüber freuen wir uns. Darum sagen wir Gott Danke. Unsere Gaben machen auch anderen Kindern eine Freude. Wir haben Gutes bekommen. Und wir geben jetzt auch anderen Kindern etwas Schönes. Wir singen zum Beispiel ein Lied für sie oder zeigen ihnen ein Bild. Das ist eine schöne Sitte." (Oliver Stabenow) Erntedankfest in der 5G4 Im Religionsunterricht begegnete uns einmal der Satz: "Der schönste Gottesdienst ist für mich, die Natur zu genießen." Bei der Besprechung des bevorstehenden Erntedankfestes erinnerten wir uns an dieses Zitat und wandelten es im Sinne des festes um in den Satz: "Der schönste Gottesdienst ist für mich, die Früchte der Natur zu genießen." So kamen wir auf die Idee, dass zum Ernstedanktag jeder einen Korb mit Früchten der Natur in die Schule bringt. Die einzige Auflage für uns war, dass nichts in einem Geschäft gekauft werden durfte. Unser Beschluss hatte Folgen! Viele Mütter und Väter nutzten das folgende Wochenende bei strahlendem Sonnenschein zu einem Ausflug auf`s Land, um Bauernhöfe aufzusuchen, wo sie verschiedene Getreidesorten, Radieschen, Äpfel, Wurzeln, Rote Bete, Rüben, Birnen, Porree und sogar Kürbisse erstanden. Wenn man einer Mitschülerin Glauben schenken darf, soll ihre Mutter "Schmiere gestanden " haben, als sie sich Maiskolben von einem Feld "besorgte". Viele von uns schmückten ihre Körbe außerdem noch mit selbst gepflückten Brombeeren, Hagebutten, Fliederbeeren, Weinlaub und Schlehen. Wir waren alle sehr stolz auf unsere dekorativen Körbe! Am Tag des Erntedankfestes durften wir sogar während des Unterrichts von unseren gesammelten Früchten naschen! Das war ein besonderer Spaß, denn wann gibt`s das schon einmal, dass man im Unterricht essen darf? (Claus Janssen) Erntedankfest in der 9G1 Am letzten Tag vor den Herbstfreien feierte die 9G1 das Erntedankfest mit prächtig gedecktem Tisch. Svenja Daetweiler erzählte, wie die anderen auch, wofür sie dankbar ist: "Mir geht es gut. Ich habe Essen, Trinken, eine warme Wohnung. Das Wichtigste: Ich habe eine Familie, die ich sehr liebe. Mit meiner Cousine verstehe ich mich sehr gut, wir haben viel Spaß und lachen gern. Ohne sie wäre mein Leben nicht so schön, wie es ist. Ich habe eine tolle Mutter. Manchmal streiten wir uns, das kommt in den besten Familien vor. Doch sonst ist es super. Ich könnte so über jedes Familienmitglied schreiben, denn ich liebe sie alle. Ich bin dankbar für das Leben. Es ist etwas ganz Besonderes, man darf es nicht wegwerfen, sondern muss es genießen. Manchmal habe ich auch schlechte Tage, wo ich mich frage, warum ich lebe. Oder ich wünschte, wie jemand anderer zu sein. Aber ganz tief in meinem Herzen weiß ich, ich will genau dieses Leben, mein Leben." Reformationstag von Realschule und Gymnasium Die 7. Klassen von Realschule und Gymnasium feierten den Reformationstag in Begleitung ihrer Klassenleiter am 3. November in der Kirche St. Thomas in Rothenburgsort. Pastor Ulf Priemer nahm in seinem Gottesdienst alte liturgische Elemente auf, die in der Reformationszeit noch lebendig waren und von Luther hoch geschätzt wurden, in der Folgezeit aber vielfach in Vergessenheit gerieten. So war es ein Gottesdienst mit Erläuterungen, der den SchülerInnen Riten und Symbole vermittelte, die zu unserer Kirche der Reformation gehören. (Oliver Stabenow) Buß- und Bettag Zum Buß- und Bettag war unsere Schulkapelle fast durchgehend ausgebucht. Von 8:15 Uhr bis 8:45 Uhr traf sich die Grundschule zum Gottesdienst. Von 9:00 Uhr bis 9:30 Uhr gestaltete Pastor Henschen mit seinen Konfirmanden und den 7. Klassen des Gymnasiums eine Andacht. Die 10 G-Klassen stellten von 10:00 Uhr an den 9 G-Klassen ihr Diakonisches Praktikum in einem Gottesdienst vor. Buß- und Bettag in der Kreuzkirche Ottensen Die 9. und 10. Klassen der Realschule besuchten die diesjährige zentrale Bußtagsveranstaltung der Evangelischen Jugend Hamburg. Die Kreuzkirche in Hamburg-Ottensen war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Gewalt lässt uns nicht kalt" und begann mit einem Gottesdienst, den die Band "Volume 4" musikalisch untermalte. Die Sache Jesu braucht Begeisterte", so lautete z. B. der Refrain eines Verses, das aufrief zu Frieden, Hoffnung und Liebe. Schade nur, dass auf den Emporen dieser vor hundert Jahren erbauten lichtdurchfluteten Kirche die Wortbeiträge kaum zu verstehen waren. Nach einer kurzen Prozession vor der Kirche, die den Verkehr für eine Viertelstunde zum Erliegen brachte und die Autofahrer dazu anhielt innezuhalten, auf ein Jahr zurückzublicken und das Vergangene zu bedenken, nahmen viele der Jugendlichen an Workshops teil zu Themen wie "Gewalt was kann ich tun?", Theaterszenen oder zum "Hamburger Hungertuch" letzteres ein Angebot unseres Schulpastors, Herrn Oliver Stabenow. Währenddessen spielte die Gruppe "Volume 4" im Kirchenschiff weiter. Gecoverte Rocksongs sorgten für eine gute Stimmung und rundeten das Programm ab. Diese Art kirchlichen Lebens dürfte Schule machen. (Reiner Herden) Bußtag im Haus Weinberg Am Buß- und Bettag haben die Milchmütter unserer Cafeteria den traditionellen vorweihnachtlichen Kaffee für die BewohnerInnen des Altenheims veranstaltet. Wie jedes Jahr freuten sich alle auf die liebevoll gedeckten Tische und den selbstgebackenen guten Kuchen. Als Überraschungsgäste hatten Frau Kloss und Frau Scheele fünf Mädchen aus der 6HR3 mit ihrer Klassenlehrerin Frau Buschbeck eingeladen, die mit ihrer Interpretation des berühmten Hits "My heart will go on" von Geline Dion nun auch mal ein älteres Publikum erfreuen konnten. Sie hatten sichtlich Spaß am Musizieren und am Singen der Gospels durchs Mikrophon und empfanden es als etwas Besonderes, so viel Freude damit machen zu können. Maha Schawich: "Ich habe das sehr gerne gemacht und finde, man soll die Leute erfreuen. Ich glaube, dass die älteren Menschen sich gefreut haben. Ich würde so was öfter machen." Melanie Deger und Natalie Schillert: "Ich fand es schön, dass die älteren Leute sich darüber gefreut haben, dass wir gekommen sind. Wir freuten uns über den Kuchen und dass wir auftreten durften." Rubinja Metz: "Die Bewohner des Altenheims waren sehr freundlich zu uns. Sie waren so großzügig und haben jeder von uns ein Kuscheltier geschenkt. Es hat viel Spaß gemacht, auch mit Lampenfieber." Simone Christophers: "Ich fand es sehr gut. Die älteren Leute haben sich sehr gefreut, manche haben sogar geweint. Sie waren ganz still. Wir haben zum Schluss "Die Gedanken sind frei" mit ihnen gesungen und alle haben mitgesungen. Wir haben sogar Kuchen gekriegt, und jede eine Kuschelente." Außerdem gab es Schokolade, Studentenfutter und einfach viel Herzenswärme. Milchmütter, Schülerinnen, Pflegerinnen und Pfleger wie Zuhörerinnen und Zuhörer es war für alle schön, zu schenken und dabei selbst beschenkt zu werden. (Susanne Buschbeck) Diakonisches Praktikum "Drei Wochen Diakonisches Praktikum was immer das auch bringen soll besser als Schule ist es allemal. Ich werde es locker durchziehen und dann ab in die Herbstferien". So oder ähnlich gelangweilt äußerten sich die SchülerInnen der 10. Klassen vor Beginn ihrer Praktikumszeit. Wie in jedem Jahr haben auch diesmal ca. 80 SchülerInnen der Wichern-Schule als Praktikanten in diakonischen Einrichtungen der Stadt Hamburg gearbeitet. Die zu erst etwas "laxe" Haltung hat sich schnell geändert. Zu intensiv waren die Ereignisse und Erfahrungen in den Arbeitsbereichen. Da konnte es genauso anstrengend wie befriedigend sein, jeden Tag freundlich und geduldig auf kleine Kinder zuzugehen, einer alten Frau beim Essen und Kleiden behilflich zu sein oder einem Patienten durch Zuhören am Krankenbett ein wenig Geborgenheit zu vermitteln. Gearbeitet wurde in Krankenhäusern, Altersheimen, Werkstätten für Behinderte, Gemeinden und Kindergärten, bei Seemanns- und Bahnhofmission und bei der Hamburger Tafel. Drei Wochen dauerte die Auswertungsphase nach dem Praktikum. Im Religionsunterricht schrieben die SchülerInnen in Gruppen- und Einzelarbeit Texte zu bestimmten Fragestellungen. Ergebnisse dieser Arbeit waren Geschichten und Berichte, die in großer Offenheit von sehr persönlichen Erlebnissen berichten. Am Buß- und Bettag trugen die Zehntklässler den SchülerInnen der 9G-Klassen im Andachtsraum diese Berichte in einem Gottesdienst vor. Musik bildete den Rahmen für Zuhörer und Aktive. Die folgenden Texte sollen etwas von der Intensität und Vielfalt des Diakonischen Praktikums vermitteln. Die SchülerInnen haben für den Fall der Veröffentlichung um Anonymität gebeten. A hat auf einer Flussschiffkirche "gearbeitet". Er wollte den beruflichen Alltag eines Pastors kennenlernen: "Entgegen dem Vorsatz, etwas fürs Leben zu lernen, bin ich der Meinung, dass der Charakter der meisten Jugendlichen schon so weit gefestigt ist, dass selbst der Aufenthalt in sozialen Einrichtungen nichts an ihrer Einstellung ändern kann. So bin ich auf die Idee gekommen, einen Theologen zu begleiten. Mich interessiert der Berufszweig, vor allem aber die Frage, wie man in diesen Zeiten überhaupt an Gott glauben kann, wenn er doch zulässt, dass Menschen ihr Leben den Drogen widmen, Kriege führen oder gar kein richtiges Leben besitzen auf Grund einer Behinderung. Natürlich habe ich nicht erwartet, dass ich darauf Antworten erhalte, mich interessierte aber, wie ein Pastor darauf reagiert. Ich muss sagen, er hat mich überzeugt. Mir gefiel auch der Aspekt, mein Praktikum auf einem Schiff zu verrichten. Unsere Gemeinde bestand besonders aus Binnenschiffern, die in Hamburg vor Anker liegen. So hatte ich die Möglichkeit, mit der Kirchenbarkasse von Binnenschiff zu Binnenschiff zu fahren, um gemeinsam mit Pastor B. seelsorgerischen Beistand zu leisten. Die Besuche waren teilweise sehr deprimierend, wenn die Familien uns wirklich ihr Leid klagten." B berichtet: "Am Anfang war ich ganz unsicher. Die Kinder sind auf mich zugekommen und bombardierten mich mit Fragen. An einem Tag schlug sich ein schwer geistig und körperlich Behinderter selbst ins Gesicht. Er fuhr mit dem Rollstuhl an allen Erwachsenen vorbei und weinte sehr. Nur auf mich kam er zu und nahm mich in den Arm, drückte mich und legte seinen Kopf in meinen Schoß. Ich war sehr gerührt und beeindruckt, dass er gerade zu mir kam, obwohl ich erst eine Woche da war. (...) Mir wuchsen die Kinder ans Herz. Das Praktikum hat mir sehr gut gefallen." C hat ihr Diakonisches Praktikum in der Bahnhofsmission am Hauptbahnhof absolviert. "Die Bahnhofsmission ist eine Einrichtung für Menschen in Not, für Menschen, die fremde Hilfe brauchen, egal, ob bei kleineren Dingen wie dem Umsteigen von Zug zu Zug oder in einer gezielten Beratung. Sie gibt Auskünfte, vermittelt Übernachtungsmöglichkeiten, dient als kurzweiliger Aufenthaltsraum für Müde, Kranke, Frierende und Reisende. Sie ist Anlaufstelle für alle Hilfsbedürftigen und nicht nur für die, die am Hauptbahnhof leben und Drogenprobleme haben." Die Schülerin hat mehrere Drogenabhängige kennengelernt und an Beispielen deren ganz unterschiedliche Lebenswege und Bemühungen dargestellt, aus der Abhängigkeit herauszukommen. Ein Paar wollte bewusst auf der Straße leben, eine junge Frau hat es wohl geschafft, clean zu bleiben, und will Krankenschwester werden. Emotional besonders engagiert hat sich unsere Schülerin bei Danny: "Danny ist siebzehn, heroinabhängig und obdachlos. Seine Hand hängt nur noch lose am Unterarm. Ein Arzt hat ihm einen Abzess entfernen wollen und versehentlich die Sehne durchtrennt. Ich unterhielt mich mit ihm, sprach ihm Mut zu, sah ihn dann aber erst mal nicht wieder. Ich wollte ihm unbedingt helfen und kam auf die Idee, ihm zwei Pullover zu schenken, die ich nicht so dringend benötigte wie er, da die Tage nun kälter werden. Ich suchte am ganzen Bahnhof nach ihm und sagte dann Freunden und Bekannten von ihm Bescheid, er möge doch in den nächsten Tagen zu mir kommen, ich hätte Pullover für ihn. Doch Danny kam nicht. An meinem letzten Arbeitstag begegnete ich ihm schließlich und erzählte ihm von den Pullovern. Er freute sich sehr und legte mir seinen Arm auf die Schulter. Er versprach, am nächsten Tag vorbeizukommen. Also wartete ich wieder auf ihn, doch er kam nicht. Erst nach meinem Praktikum traf ich ihn wieder und fragte, ob er zu mir käme. Wieder die Freude, dass mir so viel an ihm liegt. Er sicherte mir zu, mich zu besuchen. Ich war sehr glücklich darüber, da ich mich extrem in die Idee hineingesteigert hatte, ihm zu helfen, und auch sehr viele freundschaftliche Gefühle für ihn entwickelt hatte. Doch Danny kam nicht mehr. Mich hat sein Schicksal sehr bewegt und belastet. Er gehört zu den Drogenabhängigen, die nicht den Willen besitzen, der Misere zu entfliehen, und die es ohne fremde Hilfe auch niemals schaffen werden." D war im Altenheim: "Die Atmosphäre und das Arbeitsklima waren sehr, sehr gut. Es gab viele Momente voll Freude, in denen ich mit den Heimbewohnern gelacht, gescherzt und Spiele gemacht habe. In Momenten, in denen ich einen Friedhofsbesuch machte und die Heimbewohner dort anfingen zu weinen, war es schon sehr schwierig für mich, die Fassung zu behalten." E war erschüttert über Frau B.s Schicksal. "Sie hat zehn Kinder und lebt seit 1988 in diesem Altersheim. Obwohl sie so viele Kinder hat, besucht sie niemand. Nur ihr Schwiegersohn bringt zweimal im Jahr für sie Nachthemden und fragt nach ihrem Befinden." F hat im Altersheim eine tiefgreifende Erfahrung gemacht: "Die erste für mich erschreckende Situation ereignete sich gleich am ersten Tag. Ich sollte zusammen mit der Stationsschwester eine bettlägerige Frau waschen. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen so dünnen, alten und knochigen Körper gesehen habe. Die Schwester erzählte mir, dass Frau R. im sogenannten Endstadium sei. Es war fast ein Wunder, dass sie überhaupt noch am Leben war. Als wir sie beim Waschen auf die Seite rollten, ergriff sie auf einmal meine Hand. Ich hätte sie am liebsten umarmt. Vor meinem Praktikum hätte ich nie geglaubt, dass so etwas passieren würde. Ich hatte eher Angst davor, die älteren Menschen anzufassen." Ähnliches erlebte G: "Eine Schwester ging mit mir durch die Räume und stellte mich vor. Das war im ersten Moment ein schreckliches Bild. Viele Menschen lagen nur in ihren Betten und konnten nicht aufstehen. Mir gingen viele Gedanken durch den Kopf. Ich fragte mich, ob ich mir zutrauen würde, all diese Menschen zu waschen und zu wickeln. Ein trauriges Erlebnis hatte ich dann in der zweiten Woche. Einer Frau ging es nun schon seit drei Tagen sehr schlecht. Sie hatte Krebs. An ihrem letzten Tag wussten die Schwestern schon, dass sie sterben werde. Sie ließen die Frau nicht aus den Augen. Sie wollte immer wieder aus der Bibel vorgelesen bekommen. Ich wurde gefragt, ob ich eine Weile bei ihr sitzen wolle. Ich habe zugestimmt, merkte aber schon bald, dass ich mich dieser Situation nicht gewachsen fühlte. Das war sehr traurig. Aber es gab auch viele positive Dinge, die mich gefreut haben. Das war z. B. die intensive Betreuung einer älteren Person. Über meine Anwesenheit war sie sehr glücklich, denn ich hatte viel Zeit, mich um sie zu kümmern. Auf diese Weise hat sie mir sehr viel Liebe und Freude zurückgegeben." H war bei der Seemannsmission: "Überrascht war ich, als ich eines Tages in den Seemannsclub Duckdalben kam. Dort saßen zwei Seeleute und tranken Kaffee. Der eine war noch ziemlich jung, nur ein halbes Jahr älter als ich. Er verdient Geld, hat Arbeit, aber keine Schulbildung. Seine Eltern haben kein Geld, ihn auf eine Schule zu schicken. Er kommt von den Philippinen. Wir unterhielten uns über seine Heimat. Er hat sehr große Sehnsucht nach seiner Familie. Außerdem sagte er, dass Gott mit ihm nach Hamburg gekommen sei und er so nicht allein sei. Ich habe großen Respekt vor ihm, weil er diese Situation so wegsteckt." Es ist den SchülerInnen der 10. Klassen hoch anzurechnen, dass sie in einer Öffentlichkeit vor immerhin fast 200 SchülerInnen und Lehrern den Mut hatten, so offen von ihren Erfahrungen zu berichten. Fast eine Stunde lang haben sich alle Zuhörer mit Ernsthaftigkeit und Konzentration auf die Vorträge eingelassen. Ein schöner Erfolg für alle Beteiligten. (Ursula Spendlin) Adventsliedersingen In der Adventszeit, vom 30. November an, sind alle zum Einstimmen auf Weihnachten in der Schulkapelle eingeladen von 8:00 bis 8:10 Uhr. Unter der Leitung der MusiklehrerInnen und musikbegeisterter LehrerInnen werden Adventslieder gesungen und Pastor Stabenow liest aus den Psalmen und erzählt Geschichten. (GJ) Kinderbischöfe Es mag schon eigenartig klingen, aber damit die Kontinuität erhalten bleiben kann, wurden in diesem Jahr keine Kinderbischöfe der Wichern-Schule in ihr Amt eingesetzt. Wir haben vereinbart, dass das Kinderbischofsprojekt nun alle zwei Jahre stattfinden soll, weil es für den Schulalltag doch eine starke Belastung für alle Beteiligten bedeutet und weil es jeweils langfristig und mit Ruhe geplant sein will. Die nächsten Kinderbischöfe amtieren also über die Jahrtausendwende 1999/2000. Damit die Idee bis dahin aber nicht in Vergessenheit gerät, beteiligten sich unsere SchülerInnen an dem Familiengottesdienst am 6. Dezember in der St. Nikolai-Kirche am Klosterstern. Das Thema lautete: "St. Nikolaus Bischof für Kinder". Frau Bischöfin Jepsen und Weihbischof Jaschke sprachen Grußworte und gaben dem Gottesdienst einen ökumenischen Charakter. Szenen aus der Legende von St. Nikolaus spielte die Theatergruppe "Mania", es sang der Vorchor des Hamburger Knabenchors St. Nikolai. Durch den Gottesdienst führten Pastor Ahuis und Pastor Roos. Die 6HR2 und die 6G4 sagten die Kollekte an, die für unser Kindergartenprojekt in Soweto gedacht ist (sie erbrachte 1.600 DM!), und sprachen die Fürbittegebete. In derem Zentrum standen die Not in Nicaragua und die Sorgen und Probleme von Kindern, Kerzen werden entzündet und bis in die Ecken der Kirche getragen. Das Gemeindelied "Tragt in die Welt nun ein Licht" unterbrach die Fürbitten. Sehr betroffen machte alle die Mitteilung von Pastor Ahuis, dass Herr Dreessen, der das Kinderbischofprojekt immer wieder maßgeblich koordiniert und durchgeführt hatte und auch die Vorbereitung für den Familiengottesdienst geleistet hat, mit einer Gehirnentzündung im Krankenhaus liege. Die Entzündung kam sehr schwer und plötzlich am Sonnabend. Wie mir Frau Dreessen gleich am Sonntag nach der Kirche am Telefon mitgeteilt hat, ist ihr Mann aber wieder bei Bewusstsein und auf dem Wege der Besserung. Wir alle hoffen mit ihr. Im Baptisterium und auf dem Kirchplatz gab es ein Rahmenprogramm mit einem Eine-Welt-Laden, Spielangeboten für die Kinder und einem Infostand über das Kindergartenprojekt in Soweto sowie das Kinderbischofsprojekt "Jung und Alt" vom letzten Jahr. Bei dem Schneetreiben, Vorbote für eine hoffentlich weiße Weihnacht, konnten die Erwachsenen sich mit Punsch aufwärmen. (GJ) Konfirmandenunterricht Schon seit Jahren wird in der Beobachtungsstufe zum Konfirmandenunterricht eingeladen. Der Schulpastorenbeirat hat diskutiert, wie dies intensiviert werden kann und vorgeschlagen, in allen 6. Klassen eine Unterrichtseinheit zum Konfirmandenunterricht zu gestalten. Der Rahmen kann auch erweitert werden (Evangelisch katholisch: Konfirmation und Erstkommunion). Der Unterricht soll in zeitlicher Nähe zur Einladung der Gemeinden zum Konfirmandenunterricht stattfinden, also zwischen Ostern und Christi Himmelfahrt. (Oliver Stabenow) Hilfs- und Spendenprojekte Im Schuljahr 97/98 sind für das Bridgman Memorial Community Centre 7.077,39 DM an Spenden gesammelt worden, davon 844,48 DM beim Einschulungsgottesdienst, 3.350 DM beim Grundschulbasar, 547,23 DM beim Weihnachtsgottesdienst, 1.034,80 DM beim Elternsprechtag und 530,98 DM bei der Abschiedsandacht der Pensionäre. Von dem Geld sind am 8.12.97 und am 9.8.98 insgesamt 6.350 DM nach Soweto überwiesen worden. Unsere Selbstverpflichtung bestand bei dem Wechselkurs DM: R = 1 : 2,5 für 20 Plätze bei 5.500 DM. Der Hilfsprojekt-Ausschuss sammelt gestempelte Briefmarken, möglichst noch nicht abgelöst, für die Beschäftigungstherapie auf dem Brüderhof des Rauhen Hauses. Weiterhin Brillen und Hörgeräte (besonders für Kinder) für Bedürftige in Sri Lanka und gebrauchte, noch tragbare Kleidung und Schuhe für unsere PartnerInnen in León, St. Petersburg und Soweto. Gebraucht wird auch Verpackungsmaterial (Kartons, Koffer) und, wenn möglich, ein Frachtkostenbeitrag von 1 DM pro kg. Wer spenden kann und möchte, gebe die Sachen bitte bei der Hausmeisterei ab. Frau Dr. Bieber hat in ihrem Dankesschreiben vom Freundeskreis San Gabriel e.V. für die Bolivienhilfe auch den Hinweis auf eine ZDF-Sendung vom 9. November erhalten, in der über die Berufsfachschule für Straßenkinder und die Ausbildung im Metallbereich berichtet wurde, die mit den Geldern der Bolivienhilfe finanziert worden sind. Die Hilfsprojekte unserer Schule sind auf Spenden angewiesen. Deshalb sei hier einmal das Spendenkonto genannt und die verschiedenen Projekte: Rauhes Haus; Evangelische Darlehnsgenossenschaft (EDG); BLZ 210 602 37; Konto 1022 403; Buchungsnummer 207 110 und das jeweilige Stichwort wie "Petersburg": St. Petersburg Schulpartnerschaft, 464. Schule "Ecuador": Guayaquil Schulplätze "Soweto": Soweto Kindergartenplätze "Nicaragua": León Schulpartnerschaft "Rumänien": Rumänische Familie "Bolivien": Freundeskreis San Gabriel "Zimbabwe": Dominian Convent-Mädcheninternat "Adjoba": Adjoba Kouadio (Ärztin aus der Elfenbeinküste). Für Spenden über 30 DM stellt das Rauhe Haus Spendenbescheinigungen aus und die Wichern-Schule sagt sehr herzlichen Dank! (GJ) Grundschul-Basar 1998 Am 20. November 1998 war es wieder so weit die Grundschule öffnete ihre Türen zum alljährlichen Basar. Nach einer langen Vorbereitungszeit boten die Kinder der Klassen 1 bis 4 mit ihren Lehrerinnen in den Klassenräumen selbst gebastelte Kleinkunst und Flohmarktartikel zum Verkauf an. In der Schulkapelle musizierten kleine und große KünstlerInnen. Am Eine-Welt-Stand wurden Gepa-Artikel (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der dritten Welt) verkauft. Aus aktuellem Anlass wurde auch für Opfer des Wirbelsturms in Nicaragua gesammelt. Langjährig aufbewahrte und nicht abgeholte Fundsachen lagen auf dem Verkaufstisch. Durch die Schulstraße zog der Duft frischer Waffeln. Die Eltern unserer Grundschulkinder spendeten wieder sehr großzügig für das attraktive Buffet. Durch den Verkauf dieser süßen und herzhaften Speisen kam erneut viel Geld in die Kasse. Allen Besuchern war bekannt, dass die Einnahmen auch diesmal für unseren Paten-Kindergarten in Soweto/Südafrika bestimmt sind. Durch den großen Einsatz der Kinder, Eltern, Lehrerinnen und zahlreicher anderer Helfer kam ein beachtlicher Betrag zusammen. Dieser wird dazu verwendet, dass etwa 20 Kinder diesen Kindergarten täglich besuchen dürfen, dort betreut werden, spielen können und zu Essen bekommen. Ein großes DANKE an alle Beteiligte. Für uns war dieses Fest mit über 500 Besuchern ein gelungener ,Tag der offenen Tür mit viel Gelegenheit sich zu begegnen und das Miteinander zu pflegen. (Dirk Borowski) Weihnachtliche Matinee Am letzten Schultag gestalten Pastor Stabenow, die Sängerin und Theologin Bärbel Fünfsinn sowie der Pianist Jan Heinemann in unserer Schulkapelle von 10:00 bis 11:00 Uhr eine weihnachtliche Matinee mit dem Thema "Musik und Texte für Leib und Seele zum Hören und Mitsingen". Frau Fünfsinn ist der Schule schon von einer durch lateinamerikanische Lieder geprägten Nicaragua-Andacht bekannt, die sie zusammen mit Herrn Zörnig und Pastor Stabenow gestaltet hat. (Oliver Stabenow) |
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